Einführung
Schön, dass Sie wieder mit dabei sind bei einer weiteren Folge von TJs Technology Tuesday und Digital 4 Productivity.
Ja, heute mal zu einem Thema und einer Frage: Haben Sie einen „Faible“ für KI? Die Profis unter Ihnen haben es wahrscheinlich schon mitbekommen. Moment mal, Faible, Fable 5, habe ich irgendwie die Woche mal gehört oder die letzte. Das ist das neueste Modell von Anthropic.
Zwei neue KI-Modelle von Anthropic: Fable 5 und Mythos 5
Anthropic, ja, der Anbieter von Claude, oder Anthropic, richtig ausgesprochen. Und Sie haben vielleicht mitbekommen, ja, in der Diskussion auch über die letzten Monate, dass die Firma Anthropic dort gesagt hat, wir haben ein neues Modell, Mythos, und dieses neue Modell ist so leistungsfähig, dass wir es erstmal nicht auf die Menschheit zulassen, denn es hat Sicherheitsrisiken in vielen bewährten EDV-Systemen gefunden. Und dazu hat Anthropic erstmal gesagt, okay, wir stellen dieses System erst mal Unternehmen zur Verfügung, die ihre Sicherheitslücken schließen können. Das Zweite, was Anthropic gemacht hat, ist, dass Anthropic gesagt hat: Okay, wir machen eine Familie daraus und geben ein Consumer-Produkt oder einen kleinen Teil, ein kleines Modell raus. Und das ist Fable 5.
Claud wurde abgeschaltet!
Letzte Woche, vielleicht der eine oder die andere mitbekommen, gab es auf einmal ein neues Modell. Und die Idee dieses neuen Modells ist, dass es eben noch mal stärker auf Fragen von Security ist, dass es noch mal stärker ist auf dem Thema Erkennung von Optik, also Bilder inklusive Videos. Wenn ich sage, ich kann dort Videos beispielsweise verarbeiten, wo das Modell erkennt, was sind denn da auch für Bilder drin, also nicht nur die Untertitel, also ist noch mal deutlich stärker. Was ist jetzt interessant? Neues Modell, auf einmal war es wieder weg. Wie? Auf einmal war es wieder weg?
Ja, am Freitag hat die US-Regierung einen Erlass rausgegeben, hat gesagt, okay, wir sehen hier eine Gefahr für die nationale Sicherheit und hat Anthropic angewiesen, dieses Modell für Nicht-US-Bürger zurückzuziehen. Anthropic konnte technisch nicht trennen, ob es jetzt eben ein amerikanischer User oder ein nicht amerikanischer User ist, und hat deshalb es komplett komplett abgestellt.
Auf ein neues Modell wechseln oder beim alten bleiben?
Auf einmal war das neueste Modell nicht mehr da. Paar Gedanken dazu und wo man sich als Führungskraft auch Gedanken dazu machen sollte. Das Erste ist: Ist es eine gute Idee, immer sofort auf neue Modelle aufzuspringen? Jetzt sagen Sie vielleicht: Ja, Moment mal, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Modelle zurückgezogen werden, die sind so gering, das passiert eigentlich nicht. Ja, aber es ist zumindest ein Restrisiko da.
Und es gibt ja durchaus auch Unternehmen, die sagen, sie überlegen sich ein Ausstiegsszenario aus amerikanischen Diensten wie Microsoft und sonstigen, immer vor dem Hintergrund: Moment mal, was ist denn, wenn die amerikanische Regierung morgen sagt, wir schalten Europa ab? Also dieses Thema digitale Souveränität ist gerade aktuell geworden durch dieses Abklemmen dieses Modells. Es ist in dem Fall nur das neueste Modell abgeklemmt worden. Das heißt, der Rest war schon da und innerhalb von 2, 3 Tagen haben wahrscheinlich die wenigsten schon produktive Workflows auf dem neuen System gebaut. Kommen wir zum nächsten Gedankenpunkt.
Also digitale Souveränität grundsätzlich eine gute Idee, so zu gucken, dass man sich nicht komplett abhängig macht von amerikanischen Diensten. Das zweite Thema ist: Moment mal, was ist denn, wenn ich jetzt beispielsweise, wenn Opus 4.7, Opus 4.8, das vorherige Modell, wenn das abgeklemmt worden wäre? Dann hätten viele ein massives ein großes Problem bekommen, denn viele dieser Dienste basieren auf diesen Modellen. Also die, die jetzt schon ein paar Monate dort mit dabei sind, da gibt es dann viele Automatisierungen, die dann auf einmal nicht mehr funktionieren.
Das heißt hier wichtig, dass man idealerweise nicht immer auf dem komplett neuesten Modell arbeitet, dass man auch mit Lösungen arbeitet, wo ich das dahinterliegende Modell auch austauschen kann.
Inhouse-KI-Modelle oder in der Cloud?
Das geht nicht bei allen Systemen, aber bei vielen. Und eben auch gegebenenfalls zu gucken, mit Anbietern zu arbeiten, wie beispielsweise Langdoc, wo ich sage, die dann noch mal Systeme auch auf deutschen, auf europäischen Servern noch mal so installiert haben, dass man hier nicht in Richtung USA dort noch mal reingeht. Oder nächster Schritt durchaus ja auch die Idee zu sagen, okay, in bestimmten Bereichen macht es Sinn, dann auch Corporate LLMs zu haben, also Inhouse-KI-Systeme, wo ich dann eben sage, ich habe eine lokale Installation, hier bin ich dann unabhängiger von den Cloud-Diensten. Die schlechte Nachricht dabei ist, dass die offline installierten LLM, also Large Language Models, die KI-Modelle, noch signifikant leistungsschwächer sind als die großen rechenzentrumsgetriebenen. Naturgemäß und nachvollziehbar, dass ich einfach hier ganz andere Rechenkapazitäten in Rechenzentren habe.
Aber die gute Nachricht ist, die Modelle werden kleiner, die Modelle werden leistungsfähiger und laufen sogar schon auf 5, 6 Jahre alten Mac-Systemen eben sehr, sehr gut oder mit externen Grafikkarten. Also das wird immer besser. Und größer ist auch nicht immer besser. Das führt mich zum nächsten Punkt. Ich habe immer, sehe immer wieder die Tendenz, ehrlich gesagt auch bei mir selbst, immer eher mal zum dicksten, zum neuesten Modell zu greifen.
Und natürlich, für bestimmte Aufgaben macht es auch Sinn. Wenn ich aber irgendwie eine Kleinigkeit nur machen möchte, dann nutzt er eben doch auch mal, macht es sehr viel Sinn, ein kleineres Modell zu nutzen. Die kleineren Modelle sind oft die älteren. Das heißt, das Risiko, dass die abgeklemmt werden, ist erst mal nicht so groß. Und diese neuen Modelle, Fable 5 beispielsweise, ist eben mal eben doppelt so teuer wie eben Opus.
Das heißt, ich spare auf der einen Seite vielleicht Personalkosten, weil ich eben eine Stelle nicht mehr nachbesetzen muss, die über einen Altersruhestand beispielsweise frei geworden ist, zahle aber manchmal sogar mehr für Token mit dabei, also für den Verbrauch dieser Modelle. Also deswegen ist auch hier mal zu gucken und gerade bei Anthropic sind die teuren, die guten Modelle richtig teuer. Das geht auch manchmal richtig ins Geld, das ganze Thema. Jetzt habe ich so flapsig gesagt, ja, die älteren Modelle, die werden nicht abgeklemmt. Vorsicht auch!
Neue Modelle sind teuerer aber die alten werden abgeklemmt
Und zwar, wenn neue Modelle dazukommen, dann werden die älteren Modelle teilweise abgeklemmt. Das heißt, wenn ich beispielsweise auf Opus 4.0 4.6 gearbeitet habe oder auch 4.7, jetzt kommt Opus 4.8, zack, ist 4.6 oder 4.7 nicht mehr verfügbar. Das heißt, hier ist immer ganz wichtig, auch im Unternehmen einen Prozess zu organisieren, wo immer sichergestellt wird, dass gecheckt wird, wenn ein neues Modell kommt, zu sagen: Wie lange ist das ältere noch verfügbar? Die gute Nachricht: Andropic ist ein Unternehmen, das für Firmenkunden schwerpunktmäßig unterwegs ist. Das heißt, die achten schon darauf, dass eben Dinge länger verfügbar sind, dass nicht ein Modell von heute auf morgen abgeklemmt wird.
Manchmal können Sie es natürlich auch nicht 100% selbst beeinflussen, so wie man es jetzt bei dem zwanghaften Abschotten von Fable 5 dort erlebt hat. Wichtig ist also hier immer, nicht nur in eine Schiene zu gehen, auch durchaus immer mal zu gucken, selbst wenn Sie schwerpunktmäßig mit dem Thema Cloud arbeiten, auch immer noch mal zu gucken, ob ich parallel mit Copilot beispielsweise arbeite oder auch mit ChatGPT. Hat doch den Charme. Wenn ich bei einem System meine Token verbrannt habe, habe ich vielleicht beim anderen noch ein paar übrig. Stichwort Copilot.
Microsoft verfolgt eine kluge Strategie
Vielleicht haben Sie es auch mitbekommen, und zwar die Strategie von Microsoft finde ich ist eine ziemlich intelligente. Die sagen nämlich, wir bauen keine eigenen KI-Modelle, sondern wir integrieren die besten KI-Modelle im Markt. Und hier gibt es mehrere Denkansätze. Also der eine Denkansatz, vielleicht auch schon gesehen: Wenn Sie in Copilot sind, können Sie auch oben die Opus-Modelle wählen, also die Modelle von Claude. Sagen Sie: Oh, Moment mal, da sind wir ja nicht mehr bei Microsoft in Frankfurt, da sind wir jetzt in den USA.
Ja, allerdings kann man es in Microsoft 365 wegkonfigurieren. Bzw. Im Standard ist es in Firmen, Unternehmen erst mal nicht frei und man muss es zusätzlich konfigurieren. Und hier macht es Sinn, nicht dogmatisch, sondern pragmatisch ranzugehen und zu gucken: okay, da wo ich eben das vielleicht brauche, da nehme ich es entsprechend mit rein. Da wo ich es nicht brauche, da nehme ich es nicht mit rein.
Also wenn ich im Marketingbereich beispielsweise Informationen nutze, die im Internet verfügbar sind und die wieder ins Internet gehen, kann ich mit Claude arbeiten. Wenn es um reine heiße Personendaten geht beispielsweise, dann macht es vielleicht mehr Sinn, die in Copilot beispielsweise zu bearbeiten oder mit Langdoc, wenn Sie nicht mit Microsoft 365 arbeiten.
Ja, Microsoft hat nicht nur Claude im Sinne des Modells als Chatbot drin, sondern im Frontier-Programm bereits als Claude Cowork. Das heißt hier die Idee, dass ich eben auch bestimmte Tätigkeiten auf dem Rechner ausführen lassen kann. Und das führen sie mit dem Projekt Lobster noch ein Stück weit weiter.
Peter Steinberger, der der Open Claude oder Maltbot oder wie er auch jetzt immer bezeichnet wird, eben dort in Österreich entwickelt hat, ist mittlerweile bei OpenAI und es gibt Projekt Globestar, wo eben dieses Thema autonom arbeitender Agent in Microsoft 365 integriert werden soll.
Auch Cloud Design beispielsweise, tolles Tool, mit dem ich mittlerweile meine Angebote mache, mit dem ich gerade meine Website gemacht habe, ist ein System, was heute eben noch nicht in Microsoft 365 produktiv integriert ist, was aber, ich schätze mal, in einem halben Jahr auch in der Microsoft-Welt drin sein wird. Bin gerade im Projekt, wo ich sage, okay, lassen Sie jetzt mal die Lizenzen bei Cloud buchen. Sobald die dann verfügbar sind, Also in der Microsoft-Welt kann man noch mal umgehen. Das heißt, Sie haben, wie ich finde, mit Microsoft jemand, der strategisch genau richtig aufgestellt ist, der eben die führenden KI-Themen, nämlich die führenden Chatbots, die führenden Tools, um den Computer zu steuern, die führenden Tools, um komplett autonome Agenten mitzubauen, dort zu steuern.
Microsoft kann alles, was Claude kann – in der Theorie
Und parallel ist eine gute Idee, vielleicht schon mal in ausgewählten Bereichen dort auch schon mal mit Claude zu arbeiten. Denn in der Theorie kann Microsoft alles, was Claude auch kann, also beispielsweise den Browser zu steuern, in Power Automate eben Dinge automatisch zu erstellen. Wenn man es in der Praxis dann aber wirklich mal macht, dann merkt man doch, dass Claude da deutlich leistungsfähiger ist. Das Gute ist aber, es wird eben integriert in die anderen Systeme. Das Gute auch, sich anzugucken, wir hatten ja gerade den SpaceX-Aktienbörsengang, der OpenAI-Börsengang steht auch eben vor der Tür und Anthropic wird auch auf die Börse an die Börse gehen.
Das Interessante ist, wer ist der Profitabelste im Spiel? Der Profitabelste ist Anthropic. Weshalb? Weil die den ganzen Spielkram nicht machen, also irgendwelche Videosnippets zu machen für Social Media und so weiter, sondern die konzentrieren sich ganz klar auf das Thema Business. Und die sind auch nicht billig, die kosten auch Geld.
Anthropic überzeugt besonders im Business Use
Aber sie haben eben den Fokus auf diesem Thema Business Use, arbeiten unter anderem für die Allianz, für BMW beispielsweise. Und das hat auch Microsoft erkannt und integriert die eben immer mehr und hat aber parallel dazu eben auch die Offenheit, dass sie sagt, okay, wir haben OpenAI, wir haben Claude, wir haben vielleicht in Zukunft noch weitere Modelle, die dort auch mit integriert werden. Und das führt mich wieder zum Ende oder zum Anfang wieder zurück, dass ich hier sage, man sollte sich idealerweise nicht von einem Anbieter so abhängig machen. Und jetzt sei mal ruhig, ich mache mich von Microsoft ein Stück weit abhängig, aber zumindest hat man schon mal eine gewisse, ich sage mal, Backup-Funktionalität innerhalb des Co-Pilot schon mal. Wenn eben OpenAI gerade nicht verfügbar ist, habe ich Cloud beispielsweise.
Natürlich können Sie auch mit dem Thema OpenOffice beispielsweise arbeiten. Hier ist aber auch gerade beispielsweise auf der letzten Konferenz verkündet worden, dass die neuen Lösungen auch ein Abonnement kosten werden. Natürlich kostet Softwareentwicklung Geld und natürlich ist es so, dass wenn ich sage, okay, 20% auf alles außer auf Praktika, denn die gibt es nicht mehr. Also sollte man auch bei diesem Bereich immer noch mal gucken. Ja, gute Leistung kostet vielleicht auch mal 3,50 € mehr, aber sie haben eine Investitionssicherheit. Und man sollte immer gucken, dass man eben auch noch mal schaut, es gibt eben zwischen USA und zwischen Deutschland auch noch mal EU.
Also hier ein Player mal aus Frankreich zu nennen, beispielsweise Mistral, hier auch ein Player, der in Frankreich ist und der eben sehr stark auch den Fokus hat auf dem Thema, ja, wir sind nicht so leistungsfähig wie die großen Modelle, aber wir haben einen sehr starken Fokus auf das Schützen von Unternehmensinformationen.
Fazit
Also deswegen, Sie sehen, das Thema ist etwas komplexer als einfach nur über die üblichen Instagram-Videos, aber dafür ist ja auch dieser Impuls für Entscheider hier gedacht. Und wenn Sie da weitere Rückfragen haben, wenn Sie Unterstützung brauchen auf C-Level als Sparringspartner, dann sprechen Sie mich gerne an.
Ihr Personality Coach für Führungskräfte, Thorsten Jekel.
