Das Wichtigste in Kürze
- Technik kommt über Status ins Unternehmen: Selten entscheidet eine Strategie über neue Geräte. Häufiger entscheidet der Wunsch, auf dem Golfplatz nicht mit dem alten Modell dazustehen.
- 61 Prozent setzen KI ein, weniger als ein Drittel verdient daran: Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern in der Frage, welches Problem es lösen soll.
- Reichweite ist nicht gleich Auftrag: Ein Satz, den KI auf zwei Seiten aufbläst, stiehlt Ihrer Zielgruppe Zeit – und bringt selten die Menschen, die Sie buchen.
- Videoschnitt mit KI funktioniert bereits erstaunlich gut: Aus 40 Minuten Rohmaterial entstanden in mehreren Optimierungsschleifen zwei fertige Schnittfassungen – nicht perfekt, aber gut genug, wenn Zeit und Budget fehlen.
- KI wie eine neue Mitarbeiterin behandeln: Briefing, Feedback, nachschärfen. Wer nach dem ersten Versuch aufgibt, verschenkt das Ergebnis.
- Verständlichkeit schlägt Detailtiefe: Die Rückmeldungen dieser Woche drehen sich alle um denselben Punkt – Menschen wollen abgeholt werden, nicht beeindruckt.
Einführung
Sieben Videos, ein roter Faden: „Erst Hirn einschalten, dann Technik." Dieser Satz ist seit Jahren mein Motto, und diese Woche hat er sich gleich mehrfach bestätigt – im Vortrag, im Selbstversuch mit dem Videoschnitt und in den Rückmeldungen von Veranstaltern.
In diesem Wochenrückblick finden Sie die Impulse aus KW 38 gebündelt. Zu jedem gibt es das Video und ein paar Gedanken, die über den kurzen Clip hinausgehen.
Wie neue Technik wirklich in Unternehmen kommt
Die offizielle Antwort lautet: strategisch geplant, nach Bedarfsanalyse und Wirtschaftlichkeitsrechnung. Die ehrliche Antwort sieht anders aus (Video auf Englisch). Irgendwann war es uncool, mit dem alten Gerät auf dem Golfplatz zu stehen. Danach kam die Geschäftsführung ins Büro und wollte das neue, glänzende Modell. Ich habe in meiner Zeit mit Apple-Projekten mehr Anrufe von Geschäftsführern bekommen, die das aktuelle Modell ein paar Wochen früher haben wollten, als Anrufe zu Sicherheitskonzepten.
Das ist keine Kritik an Führungskräften, sondern eine Beobachtung über Menschen. Technikentscheidungen sind Statusentscheidungen, solange niemand einen besseren Grund liefert. Und so sehe ich regelmäßig Manager mit mehr Geräten, als sie tragen können – von der Frage, wie viele sie wirklich beherrschen, ganz zu schweigen.
Der praktische Schluss daraus: Nutzen Sie diesen Effekt, statt ihn zu bekämpfen. Wenn die Führungsebene ein neues Werkzeug will, ist das der beste Moment für die Frage, welches konkrete Problem damit gelöst werden soll. Wer in diesem Moment eine gute Antwort parat hat, bekommt Budget und Aufmerksamkeit zugleich.
61 Prozent setzen KI ein – aber weniger als ein Drittel verdient daran
„Jeder macht KI, da müssen wir doch auch KI machen." Diesen Satz höre ich in fast jedem Unternehmen. Sogar im Sanitär- und Heizungsbereich wird inzwischen mit KI gearbeitet – spätestens dann fühlt sich niemand mehr sicher, der noch abwartet.
Die Zahlen sind eindeutig und unangenehm zugleich: Rund 61 Prozent der Unternehmen setzen KI ein, aber weniger als ein Drittel zieht daraus echten Profit. Der Unterschied liegt nicht in der Technologie – alle nutzen dieselben Modelle. Er liegt in der Frage, die vor dem Einsatz gestellt wurde. Wer mit „Wir müssen was mit KI machen" startet, landet bei Pilotprojekten. Wer mit „Dieser Prozess kostet uns jede Woche zwölf Stunden" startet, landet bei Ergebnissen.
Deshalb mein Vorschlag: Bevor wir mit künstlicher Intelligenz anfangen, starten wir mit gesundem Menschenverstand. Und weil es lehrreicher ist, sich nicht nur die Glanzstücke anzusehen: Schauen Sie sich ruhig auch an, wo KI danebengreift. Ich verzweifle regelmäßig nicht nur an der Sprachassistentin zu Hause, sondern auch an manchen KI-Systemen im Arbeitsalltag. Wer die Grenzen kennt, setzt die Stärken gezielter ein.
Übrigens, für alle, die eine griffige Definition suchen: KI heißt natürlich Klaus und Ingo. Böse Zungen sagen auch: kann irgendetwas. Beides trifft es häufiger, als uns lieb ist.
Schluss mit KI-Müll auf Social Media
Ein Gedanke, der in einen Satz passt, wird mit KI auf zwei Bildschirmseiten aufgeblasen. Das kostet mich Zeit – vor allem aber kostet es Ihre Zielgruppe Zeit. Und genau die wollten Sie eigentlich für sich gewinnen.
Der übliche Einwand lautet: Die Algorithmen belohnen längere Beiträge, die Reichweite steigt messbar. Das stimmt sogar. Nur lautet die entscheidende Frage nicht, wie viele Menschen Ihren Beitrag sehen, sondern welche. Sind es diejenigen, die Sie am Ende buchen, beauftragen oder weiterempfehlen? Reichweite ohne Relevanz ist eine teure Statistik.
Mein Weg: KI schreibt bei mir selten den Text und häufig die zweite Meinung. Sie kürzt, sie widerspricht, sie findet die schwache Stelle in der Argumentation. Der Gedanke selbst muss vorher im Kopf entstanden sein. Erst Hirn einschalten, dann Technik – auf LinkedIn gilt das genauso wie im Serverraum.
Making-of: Videos mit KI schneiden
Zur Aufnahme nutze ich derzeit die DJI Osmo Pocket 3. Ihr Vorteil zeigt sich vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen, wo sie dem iPhone deutlich überlegen ist. Der Nachteil: Das Material muss erst aufs iPhone übertragen werden, und die Kamera will mitgenommen werden. Für dieses Video habe ich sogar nur das eingebaute Mikrofon verwendet – und finde das Ergebnis ordentlich. Auf der IFA habe ich stattdessen mit einem Ansteckmikrofon gearbeitet.
Spannender als die Kamera ist der Schnitt. Rund 40 Minuten Rohmaterial, alles in kurzen Clips aufgenommen, bis auf einen einzigen unbrauchbaren. Ich habe in Claude Code eine neue Sitzung geöffnet und gefragt: Was brauchst du, um Videos gut schneiden zu können? Die Antwort war eine Liste von Werkzeugen, die das System sich anschließend selbst zusammengesucht, installiert und getestet hat. Auf die Nachfrage, was sich noch verbessern ließe, kamen Vorschläge zu den Bauchbinden. Für die grafischen Gestaltungselemente habe ich mein vorhandenes Design-System als Vorlage gegeben.
Nach zwei, drei Optimierungsschleifen lagen zwei Fassungen vor: eine vollständige Version, bei der lediglich die Clips aneinandergeschnitten und Verzögerungslaute sowie unnatürliche Pausen entfernt wurden – das hat sehr gut funktioniert. Und eine Sechs-Minuten-Variante. Ist die perfekt? Nein. An einer Stelle sitzt die Bauchbinde deutlich mehr bei mir als bei meiner Frau, obwohl wir beide im Bild sind. Ein Profi-Cutter liefert ein klar besseres Ergebnis.
Nur hat man nicht immer das Budget und nicht immer die Zeit dafür. Und die spannendste Variante ist ohnehin die dritte: ein Profi, der die KI briefen kann. Genau das ist mein nächster Versuch – gemeinsam mit einem erfahrenen Cutter die Schnittmuster professionell geschnittener Videos analysieren und die Vorgaben nachschärfen. Wie bei einer neuen Mitarbeiterin: Man wird in mehreren Schleifen besser, nicht im ersten Anlauf.
Was Veranstalter und Teilnehmende zurückmelden
Drei Rückmeldungen aus dieser Woche, die erstaunlich nah beieinanderliegen. Die erste kommt vom Veranstalter der EACVA-Konferenz. Bemerkenswert fand ich weniger das Lob selbst als den Grund dafür: Die Keynote war auf Englisch, und entscheidend war nicht der Detailgrad, sondern die Verständlichkeit für deutsche wie internationale Gäste. Die Details gehörten in die Masterclass, der große Bogen auf die Bühne.
Die zweite stammt von Kim Seeling Smith, einer Teilnehmerin, die selbst Unternehmerin ist (Video auf Englisch). Ihr Maßstab war ein sehr praktischer: Kann ich die Tipps sofort in meinem eigenen Unternehmen anwenden? Genau daran messe ich meine Vorträge ebenfalls. Wissen, das erst nach einem Umsetzungsprojekt wirkt, ist für die meisten Teilnehmenden kein Wissen, sondern eine Absichtserklärung.
Die dritte kommt von Robert Fedinger, Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck, nach der Jahresauftaktveranstaltung seines Hauses. Sein Punkt: Das Thema Digitalisierung sprach den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Herzen, weil es genau das traf, was sie im Alltag beschäftigt. Das ist für mich der eigentliche Prüfstein einer Keynote – nicht, ob die Technik beeindruckt, sondern ob sich die Menschen im Saal wiedererkennen.
Fazit
Die Woche zeigt dasselbe Muster aus vier Richtungen. Technik kommt über Status ins Unternehmen, KI kommt über Gruppendruck hinein, lange Beiträge kommen über den Algorithmus hinein – und in allen drei Fällen entscheidet erst der Kopf dahinter, ob etwas dabei herauskommt.
Mein Vorschlag für die kommende Woche: Nehmen Sie ein einziges KI-Werkzeug, das Sie ohnehin nutzen, und formulieren Sie schriftlich, welches konkrete Problem es für Sie lösen soll. Diese eine Zeile trennt die 61 Prozent, die KI einsetzen, von dem Drittel, das damit verdient.
Erwähnte Tools & Ressourcen
- DJI Osmo Pocket 3: Kompakte Kamera mit Bildstabilisierung, besonders stark bei schwierigen Lichtverhältnissen. Material muss für die weitere Bearbeitung übertragen werden.
- Claude Code: KI-Arbeitsumgebung, die Werkzeuge selbstständig installiert, testet und Schnittaufträge in mehreren Optimierungsschleifen abarbeitet.
- Ansteckmikrofon: Für Aufnahmen in lauter Umgebung, etwa auf Messen. Das eingebaute Mikrofon reicht für ruhige Umgebungen überraschend weit.
- Design-System als Vorlage: Vorab definierte Farben, Schriften und Bauchbinden sorgen dafür, dass KI-geschnittene Videos zum eigenen Auftritt passen.
- Vortragsthemen: KI und Digitalisierung, auf Deutsch und Englisch – von der Keynote bis zur vertiefenden Masterclass.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum profitieren so wenige Unternehmen von KI, obwohl fast alle sie einsetzen?
Weil der Einsatz meist beim Werkzeug beginnt und nicht beim Problem. Rund 61 Prozent nutzen KI, aber weniger als ein Drittel erzielt damit messbaren Gewinn. Erfolgreiche Projekte starten mit einem konkreten, teuren Engpass im Alltag und suchen erst danach die passende Technologie.
Kann KI professionelle Videoschnitt-Arbeit ersetzen?
Noch nicht vollständig. Aus 40 Minuten Rohmaterial entstanden zwei brauchbare Fassungen, aber mit sichtbaren Schwächen, etwa bei der Platzierung von Bauchbinden. Wenn Zeit oder Budget für einen Profi fehlen, ist das Ergebnis trotzdem deutlich besser als gar kein Video.
Wie briefe ich eine KI für den Videoschnitt richtig?
Wie eine neue Mitarbeiterin: Fragen Sie zuerst, was sie für die Aufgabe braucht, geben Sie Ihr Design-System als Vorlage mit und arbeiten Sie in mehreren Rückmeldeschleifen. Besonders wirksam ist es, professionell geschnittene Referenzvideos analysieren zu lassen und die Schnittmuster daraus zu übernehmen.
Schadet es wirklich, Social-Media-Beiträge mit KI zu verlängern?
Der Reichweite nicht, dem Geschäft schon. Längere Beiträge werden von Algorithmen oft bevorzugt, kosten Ihre Zielgruppe aber Lesezeit ohne zusätzlichen Nutzen. Entscheidend ist nicht, wie viele Menschen einen Beitrag sehen, sondern ob die richtigen darunter sind.
Wie kommen neue Technologien tatsächlich in Unternehmen?
Deutlich seltener über eine Strategie als über Status und Sichtbarkeit. Ein neues Gerät wird attraktiv, sobald es im Umfeld zum Standard wird. Nutzen Sie diesen Moment für die Frage, welches Problem damit gelöst werden soll – dann fließen Budget und Aufmerksamkeit in dieselbe Richtung.
Welche Kamera eignet sich für einfache Unternehmensvideos?
Für die meisten Zwecke genügt ein aktuelles Smartphone. Bei schwierigen Lichtverhältnissen liefert eine kompakte Kamera wie die DJI Osmo Pocket 3 spürbar bessere Bilder, verlangt dafür aber einen zusätzlichen Übertragungsschritt. In ruhigen Räumen reicht das eingebaute Mikrofon, auf Messen gehört ein Ansteckmikrofon dazu.




