Das Wichtigste in Kürze
- KI ist so gut wie ihr Briefing: Behandeln Sie sie wie einen brillanten neuen Mitarbeiter mit Amnesie – wer die Fenster streichen sagt, bekommt keine gestrichenen Rahmen.
- Ist doch klar ist der teuerste Satz: Unausgesprochene Annahmen sind die größte Ursache für Missverständnisse – zwischen Menschen wie zwischen Mensch und KI.
- Sechs Bausteine eines guten Briefings: Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Beispiele und Iteration.
- Beispiele sind der stärkste Hebel: Eigene Texte als Stilvorlage mitzugeben wirkt stärker als jede Stilbeschreibung.
- Die erste Antwort ist nur die Rohfassung: Gute Ergebnisse entstehen ab der zweiten und dritten Iteration im selben Chat.
- REZEPT als Merkhilfe: Rolle, Ergebnis, Zielgruppe, Erscheinungsort, Proben, Ton.
- Der Teamhebel ist die Prompt-Bibliothek: Gute Prompts speichern und im Team teilen, statt dass jeder anders promptet.
Einführung
Schön, dass Sie wieder mit dabei sind bei einer weiteren Episode von TJs technische Tuesday und dem Motto Digital 4 Productivity. Worum geht es heute? Kennen Sie das? Oder geht es Ihnen auch manchmal so wie dem Meister, wo der Geselle zurückkommt und sagt: Meister, die Fenster habe ich jetzt gestrichen. Soll ich die Rahmen auch noch streichen?
Und Sie denken sich: Okay, der hat sich aber heute früh auch nicht die Schuhe selbst zugebunden. Die Frage ist nur: Was haben Sie für einen Auftrag gegeben? Sie haben den Auftrag gegeben: Streich die Fenster. Und jetzt wundern Sie sich, dass er die Fenster gestrichen hat. Sie haben den Auftrag gegeben.
Ist doch klar! Ja, „Ist doch klar" ist eine der größten Ursachen für menschliche und IT-Missverständnisse. Und wenn ich mir angucke im Bereich KI: Was heißt denn KI? Böse Zungen sagen ja: KI heißt „Kann irgendwas". Ich dreh's mal um.
KI ist nur so gut, wie sie gebrieft wird
Ich sag: KI ist eine intelligente Kollegin und die intelligente Kollegin ist nur so gut, wie ich sie briefe. Ich habe seit 16 Jahren einen echten Assistenten, Herrn Dr. Miroslav Džunda. So, wenn der mir etwas zurückliefert, wo ich nicht zufrieden bin mit dem Ergebnis, ist die erste Frage für mich: Habe ich ihn vernünftig gebrieft? Und in 8 von 10 Fällen habe ich ihn nicht gut gebrieft.
Und in den weiteren Fällen meistens liegt es dann daran, dass ich überlege: Moment mal, habe ich ihm denn alles zur Verfügung gestellt, was er braucht, um diese Aufgabe auch zu lösen? Also habe ich ihm die nötigen Software-Tools zur Verfügung gestellt? Habe ich ihm Muster gegeben? Habe ich ihm Rahmenbedingungen erklärt? Habe ich ihn entsprechend trainiert?
Prompting als Führungsaufgabe
So, und letztendlich, so wie bei einem echten Mitarbeitenden, ist es auch bei KI. Prompting ist für mich immer ein bisschen zu kurz gesprungen. Prompts können die KI-Systeme mittlerweile sogar selbst überarbeiten. Für mich geht es eher um das Thema: Wie führe ich eine KI? Und ich habe ja lange Jahre auch viele Mitarbeitende geführt.
Das heißt, hier ist für mich immer wichtig, da hat einfach Prompting und Umgang mit KI-Systemen viele Parallelen mit dem Thema Führung. Übrigens auch mit dem Thema Kindererziehung. Also jeder, der mal Kind war von Ihnen, weiß, wie sich das angefühlt hat oder wie wir eben dort Dinge verstanden haben oder nicht verstanden haben. Ja, also prompten wie ein Profi hier mal das Briefing-System. Also hier einfach mal ein paar Bausteine, die nicht nur, aber auch vor allen Dingen bei ChatGPT, Copilot und bei Claude funktionieren.
Warum generische Prompts generische Ergebnisse liefern
Die gucken wir uns mal gemeinsam an. Ja, meistens ist es auch so, ich schmeiße da irgendwie einen Satz rein, den ich reinrotze. So, und dann wundere ich mich, dass da was Generisches rauskommt. Ja, wenn ich nur sage: Schreibt mir einen Artikel, würde ich einem Menschen vielleicht auch nicht sagen. Ein intelligenter Mensch würde rückfragen und würde sagen: Du, sag mal, wie willst du den haben?
Für welche Zielgruppe? Und man kann übrigens Mitarbeitende bitten, immer zurückzufragen. Man kann auch in den sogenannten Custom Instructions in den Systemen auch sagen: Frag mir, stell mir bitte Fragen, wenn der Prompt nicht klar ist. Also KI ist ein brillanter neuer Mitarbeiter eben, und das ist so ein bisschen echt wie bei Mitarbeitenden.
Manchmal denkst du dir: Wie genial ist der denn? Und manchmal denkst du dir: Der hat sich doch heute Morgen die Schuhe nicht zusammengebunden. Und das ist genau das gleiche Thema wie mit KI auch. Ja, warum briefen wir denn Menschen schlechter als Maschinen? Ja, ist eine Gewohnheit.
Warum wir Menschen schlechter briefen als Maschinen
Also wir haben halt einfach Google, wir hauen da seit 20 Jahren was rein, da gibt es einfach nur ein Wort und Google ist auf Stichwörter optimiert und das funktioniert bis zu einem gewissen Grad ganz gut. Bis vor kurzem war es ja so, da war ja keine KI in Google drin. So, und dann war es aber auch so, dass du eine Frage gestellt hast, 3 Millionen Suchergebnisse bekommen hast. Oben standen die bezahlten, unten die, die eine gute Suchmaschinenoptimierung gemacht haben, und weiter hat man gar nicht mehr gescrollt. Das war übrigens die Gründungsidee von Perplexity, denen die gesagt haben, das ist ein ehemaliger Google-Ingenieur: How to break the broken Google search.
Es gibt ja auch so diesen Spruch: Wo ist ein Kennwort am sichersten aufbewahrt im Internet? Auf Seite 2 bei Google, weil da guckt keiner mehr drauf. Ja, dann eben, ich akzeptiere die erste Antwort. Ja, die erste Antwort ist oft die Rohfassung, da gehen die meisten aber nicht weiter. Also das heißt, spannend wird es erst eben ab der zweiten, dritten, vierten Iteration.
Die erste Antwort ist nur die Rohfassung
So, und eben auch zu sagen, jeder promptet anders. Das heißt hier, ich erlebe leider wenige Unternehmen, die sehr konsequent eben Prompt Bibliotheken aufbauen, die solche Sachen eben teilen. Vielleicht eine gute Idee, mal drüber nachzudenken. Und es geht in vielen Systemen. In Copilot hat man unten diese drei Punkte.
Da kann ich eben diesen Prompt abspeichern für mich selbst. Oder ich kann ihn sogar teilen im Team oder in bestimmten Teams. Ja, hier mal sechs Bausteine eines guten Briefingsystems. Das erste: eine Rolle zu geben. Und hier kann ich eben sagen: Mensch, du bist beispielsweise ein erfahrener Vertriebsleiter im Maschinenbau.
Die 6 Bausteine eines guten Briefings
Aktiviert eben Wissen und Tun. Und ich kann das auch trennen. Also wenn ich etwas Komplexes beispielsweise habe, dann kann ich sagen: Du bist die Kombination aus Albert Einstein und der Sendung mit der Maus. Weil wer hat's erfunden? Albert Einstein, wenn ich zum Thema Relativitätstheorie was wissen möchte.
Wer kann's super erklären? Peter Lustig, Sendung mit der Maus, however, Sandmännchen und die ganzen Dinge. Das nächste: Kontext. Also zu sagen: Die Firma, die Zielgruppe, der Anlass. Also alles, was man wissen muss, die Rahmenbedingungen.
Und da wird die KI Übrigens immer besser. Also früher hat man es immer schnell vergessen. Mittlerweile gibt es eben immer größere Limits. Aber wichtig. Aufgabe eben: Was ist das Ziel?
Eben Termin nächste Woche, eine Nachfass-Mail, ein Blogbeitrag. Was soll derjenige machen? Also Fenster streichen oder Rahmen streichen? In welchem Format? Also wie viele Wörter?
In Sie-Form zu sagen? Keine Floskeln? In Bullet Points? Ausformuliert? Wie will ich es haben?
Beispiele. Also wirklich der stärkste einzelne Hebel ist wirklich Beispiele mitzugeben. Weil wenn ich eben etwas am Stil haben will, dann gebe ich ihm einfach beispielsweise andere Artikel, die ich geschrieben habe, die ich mir als Mensch geschrieben habe. Und wenn ich sage, so sollst du schreiben oder analysier mal diesen Stil, dann funktioniert es eben viel besser. Und last but not least eben wichtig die Iteration.
Das heißt einfach hier zu sagen, nachschärfen, im gleichen Chat einfach immer sagen, Mensch, wie geht's kürzerer, lockerer eben auch auch diese ganzen Themen nicht die erste Antwort gleich akzeptieren in dem Bereich. Ja, vielleicht mal ein System, drei Tools. Wo sind die Systeme besonders stark? Copilot hat den großen starken Vorteil, dass er eben auf den Kontext zugreifen kann. Also das heißt, wenn man mit Microsoft 365 arbeitet, hat man halt alle Mails, alle Teams-Zusammenfassungen, alles direkt drin und da kann er direkt drauf zugreifen.
Drei Tools, drei Stärken: Copilot, Claude und ChatGPT
Claude ist besonders gut bei langen Dokumenten, bei Strukturen, bei gründlicher Textarbeit und ergänzend eben auch Wenn man jetzt wirklich arbeiten möchte mit Systemen, da kann ich sagen, lad mir Videos runter, optimier sie, lad sie wieder hoch auf YouTube und solche Dinge oder auf Vimeo. Das ist das. Und bei ChatGPT ist so der Allrounder, der eben auch für Consumer gebaut ist ursprünglich. Wichtig ist aber, den kann man sich auch smarter machen, indem man eigene GPTs baut und eben auch Custom Instructions. Noch mal gehen bei allen drei.
Also Custom Instructions, die Idee, dass ich jemandem einmal eine benutzerdefinierte Anweisung sage.
Kernbotschaften und das REZEPT-Framework
Wie soll er sich verhalten? Wie soll er schreiben? Ja, die wichtigsten Kernbotschaften: Briefen Sie KI wie einen brillanten neuen Mitarbeiter mit Amnesie. 6 Bausteine: Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Beispiele, Iteration. Gibt auch ein anderes Framework von mir: REZEPT.
Rolle, Ergebnis, Zielgruppe, Erscheinungsort, Proben, TON-Rezept. Also das heißt, hier kann man sich die Dinge ganz gut merken. Und der Teamhebel ist eine gesamte gemeinsame Prompt Bibliothek. Ja, das heißt, hier sammeln Sie diese ganzen Dinge. Also auch eine gute Idee zu sagen: Abonnieren Sie gerne den Podcast.
Podcast abonnieren und Kontakt
Sie können ja dieses Format eben hören, hier einmal jede Woche Dienstag live, 12:30 bis 12:45 Uhr, TJs Technology Tuesday. Sie haben die Möglichkeit bei LinkedIn, wenn Sie es nicht live nicht gesehen haben, immer in der Aufzeichnung noch mal zu gucken. Die bleiben immer in meinem LinkedIn-Profilverlauf. Sie können es auf YouTube sich anschauen, da wird es immer hochgeladen auf den YouTube-Kanal, oder auf Ihrem Smartphone in Apple Podcasts, bei Spotify, also in Ihrem Podcast-Reader Ihrer Wahl. Ich nutze Overcast dafür.
Da können Sie mir auch per Ton folgen, je nachdem, wie Sie das mögen. Ja, Sie können mir nicht nur folgen, Sie können mich auch als Sparringspartner nutzen. Als Personal-IT-Coach für Führungskräfte stehe ich auch Ihnen gerne zur Verfügung, um Sie und Ihr Team unter anderem auch zum Thema effektives Prompting zu trainieren. Sprechen Sie mich an! Ich freue mich auf Sie.
Viel Erfolg! Ihr Thorsten Jekel.
Erwähnte Tools & Ressourcen
- Microsoft Copilot – stärkster Kontextzugriff, wenn Sie mit Microsoft 365 arbeiten: Mails, Teams-Zusammenfassungen und Dateien direkt verfügbar. Prompts lassen sich speichern und im Team teilen.
- Claude von Anthropic – stark bei langen Dokumenten, Strukturen und gründlicher Textarbeit sowie bei praktischen Arbeitsabläufen.
- ChatGPT – der Allrounder. Über eigene GPTs und Custom Instructions lässt er sich deutlich schärfer auf die eigene Arbeit einstellen.
- Custom Instructions – dauerhafte Anweisungen zu Verhalten, Tonalität und Rückfragen. In allen drei Systemen verfügbar.
- Prompt-Bibliothek – gemeinsame Sammlung bewährter Prompts im Team statt individueller Insellösungen.
- REZEPT-Framework – Merkhilfe für Rolle, Ergebnis, Zielgruppe, Erscheinungsort, Proben und Ton.
Häufige Fragen (FAQ)
Was macht einen guten Prompt aus?
Ein guter Prompt ist ein vollständiges Briefing: Er gibt der KI eine Rolle, liefert Kontext, benennt die Aufgabe und das gewünschte Format, zeigt Beispiele und wird in mehreren Schritten nachgeschärft.
Welche sechs Bausteine gehören in ein KI-Briefing?
Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Beispiele und Iteration. Die Rolle aktiviert Fachwissen, der Kontext liefert Rahmenbedingungen, das Format bestimmt Länge und Ansprache, Beispiele prägen den Stil, die Iteration bringt die Qualität.
Was ist das REZEPT-Framework fürs Prompting?
REZEPT steht für Rolle, Ergebnis, Zielgruppe, Erscheinungsort, Proben und Ton – eine leicht merkbare Kurzform der sechs Briefing-Bausteine.
Warum ist die erste KI-Antwort selten die beste?
Weil sie die Rohfassung ist. Die meisten Nutzer brechen hier ab. Interessant wird es ab der zweiten, dritten und vierten Iteration im selben Chat – kürzer, konkreter, im richtigen Ton.
Was sind Custom Instructions?
Dauerhaft hinterlegte Anweisungen, wie sich die KI verhalten und schreiben soll. Dort lässt sich auch festlegen, dass sie bei unklaren Aufträgen zuerst nachfragt, statt zu raten.
Welches KI-Tool eignet sich wofür?
Copilot punktet mit Kontext aus Microsoft 365, Claude bei langen Dokumenten und gründlicher Textarbeit, ChatGPT als flexibler Allrounder mit eigenen GPTs. Entscheidend bleibt in allen Systemen das Briefing.




