Einführung
Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von TJ’s Technology Tuesday und heute mal ganz bewusst hier mit einem Guards-Zeichen drauf, weil es beim Thema KI vor allen Dingen um Guardrails geht, nämlich darum: Wo hat KI denn idealerweise sinnvollerweise Leitplanken?
Zwei Leitplanken für Künstliche Intelligenz
Was sind denn die typischen Leitplanken, die KI idealerweise haben sollte? KI sollte idealerweise die Leitplanke haben, zu sagen: okay, Datenschutz logischerweise, aber auch das Thema Datensicherheit. Im Unternehmenskontext habe ich immer noch die Mittelspur auf der Autobahn, nämlich: Welche Tools setzen wir denn wie ein und welches Prozedere haben wir dafür im Unternehmenskontext dort auch installiert?
Claude – eine ethisch verantwortliche KI
Ganz aktuell ist das Thema geworden und ich weiß nicht, ob es der eine oder die andere hier verfolgt hat, im Rahmen auch des heutigen Handelsblattes, beispielsweise, wieder hier dieser Herr, vielleicht kennt ihn noch nicht jeder, war früher mal bei der Firma OpenAI, dem Gründer von ChatGPT, angestellt, hat mittlerweile eine eigene Firma und die eigene Firma ist Claude. Das heißt, Claude bzw. Claude heißt der Dienst, das ist von der Firma Anthropic. Und der liebe eben Dario Amodei hat gerade ziemlich Beef mit dem Verteidigungsministerium. Hier die aktuellste Schlagzeile: Diskussion um KI-Nutzung des Pentagons. OpenAI rudert zurück und zwar: Was ist der Hintergrund? Und zwar hier steht schon: Nachfolger OpenAI. Und zwar der liebe Dario Amodei hat eine sehr klare Policy zu diesem Thema KI, weil er sagt: Wir möchten eine ethisch verantwortliche KI haben. Wir möchten, dass die KI klare Guardrails hat, also dass sie weiß, was darf sie eben nicht tun. Und das Pentagon hat dort gesagt: Wir möchten euer KI-Modell nutzen und Herr Amodei, der Gründer, hat gesagt, hier gibt es zwei ganz entscheidende No-Gos.
Das eine No-Go ist: Ich möchte nicht, dass die KI dazu verwendet wird, im großen Maßstab Bürger der Vereinigten Staaten auszuspionieren. Punkt Nummer zwei: Ich möchte nicht, dass die KI in autonomen Waffensystemen so eingesetzt wird, dass eine Tötung von Menschen automatisiert ohne einen sogenannten Human-in-the-Loop stattfindet, also ohne dass ein Mensch dort noch mal drüber guckt und prüft, ob das okay ist. Das ist in der Praxis naturgemäß immer etwas schwierig zu beurteilen, wenn man sich das anguckt. Und immer die Frage auch im Thema der Verteidigung beispielsweise: Gibt es hier eine kritische Diskussion, eine schwierige Diskussion und die ist vor allem das Thema Tempo. Wenn man sich den Iron Dome in Israel beispielsweise anguckt, aktuell ja sehr stark in Benutzung, dann ist es einfach so: Wenn ich halt eine sehr kurze Laufzeit von Raketen beispielsweise habe, dann ist das so, dass hier auch durchaus KI-unterstützte Systeme teilweise in Bruchteilen von Sekunden entscheiden müssen, ein Objekt abzufangen oder nicht abzufangen. Für mich ist das aber immer noch im Sinne der Luftverteidigung aus meiner Sicht tragbar, dass ich sage, okay, wenn es um reine Defensivsysteme geht, wo ich entscheiden muss, okay, wie schnell hier unter Umständen etwas abgefangen werden muss, dann macht es durchaus Sinn zu sagen: okay, da gibt es Bereiche, wo man mit KI arbeiten kann. Der eben aber hier, wie gesagt, Dario Amodei hat ganz klar gesagt: Nein, wir wollen das nicht. Und das Pentagon hat gesagt: Dann fliegt ihr raus. Und jetzt ist es interessanterweise so, dass die Kollegen von OpenAI jetzt auch ein Stück weit schon zurückrudern und sagen, vielleicht ist das doch nicht so eine gute Idee.
Automatisierung mit Claude und OpenClaw
Stichwort Claude und OpenClaw, klingt manchmal sehr ähnlich. Also es gab ja die Diskussion auch, wo ich letzte Woche etwas dazu gemacht habe, vorletzte Woche dazu, auch zu diesem Thema OpenClaw, alles wird automatisiert. Wichtig bei diesem Thema Automatisierung immer ganz klar zu sagen: Guardrails drin haben. Und das gilt nicht nur im gesellschaftlichen und Pentagon-Bereich, sondern auch im Privaten.
Wenn ich mir jetzt dieses Thema Claude beispielsweise angucke, hat diese Woche noch mal ein Update rausgebracht. Und zwar: Es gibt ja bei Claude einmal diese Web-Oberfläche und es gibt eine Applikation. Und bei dieser Applikation gibt es dann den Bereich Chat, das ist ähnlich wie man es kennt auch von ChatGPT. Es gibt den Bereich Code, das ist so das Tiefste, was man eben machen kann, wo man sehr, sehr stark dann runtergeht bis die Terminal-Ebene Und es gibt mit Cowork noch mal einen sogenannten Wrapper, also eine Oberfläche, mit der man bestimmte Aufgaben noch mal tun kann.
So, ich gebe mal ein konkretes Beispiel. Und zwar, was ich gestern mal gemacht habe, ist, dass ich hier von einem Kunden ein Verzeichnis mit über 5.800 Fahrzeuggutachten bekommen habe, also aus dem Kfz-Bereich beispielsweise. Also da war die Idee, die Bitte, in eine Excel-Liste eben so auszulesen, dass man da eben Datum, Fahrzeugidentnummer, Kosten, Wertzusammenfassung, Vorschaden, Nachlackierung, dass man alles entsprechend drauf hat. So, und dann hat er losgerappelt und hat mir daraus dort das Ganze dann erstellt.
Dann kam, und war ziemlich faszinierend, also er macht eine Excel-Tabelle, macht den Durchlauf tutto completti. Dann habe ich versucht, in einer weiteren Iterationsstufe zu sagen: Gib mir noch mal mehr Felder. Und da kam ich dann auf Fehlermeldungen, wo er gesagt hat: Ach, da ist was schiefgelaufen, der Prompt ist zu lang. Das ist manchmal ein Fehler.
Was ich dann gemacht habe: Dann bin ich eine Stufe tiefer reingegangen in Cloud Code. Und Cloud Code ist eben etwas, wo ich dann gesagt habe: Ich möchte hier noch sehr viel mehr Felder haben. Und das nutzt man eben dann, wenn man noch leistungsfähiger arbeiten möchte. Wichtig ist, wenn man hiermit arbeitet: Man gibt ihm einen Ordner frei und kann in diesem Ordner arbeiten.
Der Ansatzpunkt von OpenClaw, wenn ich jetzt mit diesem automatischen Agenten arbeite, da ist das Risiko oft, dass man sagt: Ich gebe mein Hauptverzeichnis frei, ich gebe alles frei. Keine gute Idee. Also man sollte immer sehr begrenzte Zugänge dazu geben.
Aber dann hier mal so ein Beispiel. Also dann habe ich eben hier in mehreren Iterationsstufen hatte er gearbeitet, wo er dann auch noch mal gesagt hat, okay, was tue ich. Hat mir dort auch noch mal, wenn ich hier in „Show More“ gehe, sehr, sehr viel Information gegeben. Und da empfehle ich immer, selbst für diejenigen, die sagen, ich bin kein Coder: Man sollte der KI immer mal über die Schulter gucken und sollte mal gucken, was macht die. Und der schöne Vorteil ist: Dabei lernt man auch ein bisschen, wie arbeiten diese Systeme.
So, und dann kam eben diese Datei mit 5.803 PDFs in einer kompletten Excel-Datei raus und die konnte ich sogar noch nachbearbeiten. Das heißt, wenn ich dann gucke, eben in einer Zulassungsliste, wenn ich jetzt mal hier, ich mache mal eine neue Excel-Tabelle auf, dann gibt es mit Claude sogar noch ein sogenanntes Plugin. Und in diesem Plugin kann ich dann das machen, was Microsoft so weit verspricht mit seinem Copilot. Da ist Claude Cowork heute schon so weit, dass ich sagen kann – bitte um Verständnis, dass ich die Datei jetzt hier nicht aufmache, weil es eben Kundendaten sind – dass man sagen kann: Mensch, jetzt habe ich hier etwas, ich hatte die Laufleistungen, zieh mir beispielsweise aus der Laufleistung nur die Kilometerzahl raus. Und dann gab es noch einen zusätzlichen Hinweis, abgelesen. Und dann habe ich gesagt, ziehe mir in eine weitere Spalte nur die Zahl raus. Und das sind so Dinge, da muss man sonst lange herumfummeln. Das kann man eben mit dieser Erweiterung total genial machen. Oder wenn es dann etwas tiefer gehen soll: Ein Tipp, den ich aus den USA bekommen habe, Shortcut, eben auch ein tolles Plugin, bei dem ich noch mal Dinge machen kann. Also ich gehe hier noch mal rüber in den Browser, das heißt, hier habe ich dieses Thema Try Shortcut. Und Try Shortcut AI ist noch mal eine Lösung, wo ich entweder ein Excel-Plugin habe oder wo ich auch noch mal standalone im Browser arbeiten kann. Also das sind Automatisierungen, gerade auch im Bereich Excel, wirklich klasse.
Also Claude. Und da gibt es eben diese drei Bereiche, die man über die Applikation nutzen kann. Ich habe den Chat, ich habe das Thema Cowork, das ist praktisch eine Oberfläche noch mal, wo ich Dinge machen kann. Hier kann ich beispielsweise auch sagen: Mensch, räum mir mal meinen Download-Ordner auf. Und die Idee ist eben, wenn ich jetzt hier eine neue Aufgabe sehe, dass ich sage: In welchem Ordner möchte ich arbeiten? Und dann sage ich beispielsweise nur beim Download-Ordner. Und dann fragt er eben, darf ich da etwas tun? Und das Wichtige: Bitte nicht immer alles erlauben, sondern bitte nur einmal. Und dass man dann nur in diesem Ordner arbeitet. Und die Idee ist eben, was ich hier auch mal gemacht habe, dass ich in einen Unterordner auf meiner Festplatte reingeschoben habe, eine PowerPoint-Datei, 197 Folien reingeschoben habe und gesagt habe: Übersetz mir die bitte einmal in eine andere Sprache. Und das sind solche Sachen, die kann man damit eben wunderbar machen.
Ja, dann zum Thema Automatisierung eben OpenClaw als ganz großes Ding. Da die wichtigste Warnung, die ich mitgeben mag ist, OpenClaw bitte nie auf einem eigenen Produktivsystem installieren. Ich würde es auch nicht unbedingt auf einem separaten Apple installieren, sondern ich habe es bei Hostinger installiert, das heißt auf einem separaten, ich sage mal, Online-System in einem sogenannten Docker, also in einem abgeschlossenen Bereich. Und dann kann da nichts schiefgehen. Ich habe zum Beispiel mehrere Google-Accounts und hier habe ich einen Google-Account genommen, wo ich eben keine produktiven Daten drauf habe. Aber meine produktive Microsoft-365-Mail halte ich so weit weg von OpenClaw, wie es auch irgendwie geht.
Gute Idee ist, so etwas zu testen, gar kein Thema. Aber es gab jetzt schon mehrere Datenleaks in dem Bereich, also da muss man einfach sehr, sehr fein sicherheitsmäßig einstellen, bis hin zu dem Thema, dass ich sage: nicht den Standard-Port nehmen, ohne hier zu technisch zu werden.
Automatisierung mit Manus
Ja, zum Thema Automatisierung auch ganz toll: Manus geeignet. Da ist allerdings meine Erfahrung, dass mittlerweile Cloud Code deutlich besser ist oder eben die Integration in Excel. Aber Manus gehört mittlerweile zu Meta, ursprünglich mal ein Unternehmen aus Singapur, wo ich auch Dinge automatisieren kann.
Perplexity Computer
Und ganz neu dazugekommen, jetzt erst seit gestern: Es gibt von Perplexity den Computer. Und bei Computer ist es so, dass ich allerdings einen Max-Account brauche, der kostet mal schlappe 200 Dollar im Monat. Aber hier macht er mir dann ähnlich wie man das von Manus kennt, wenn ich eine Aufgabe mache, ein extra Terminal auf, einen extra Bereich. Also ein bisschen wie ich es hier gesagt habe, einen eigenen Server zu haben. Und das machen sowohl die Dienste mit Manus als auch mit Perplexity Computer, die eben dann nicht auf dem eigenen Rechner arbeiten, sondern in abgeschlossenen Bereichen.
Und das ist so einer der Punkte: Wenn Sie sich nur eins merken, dann bitte eben ganz, ganz wichtig zu sagen, bitte natürlich mit diesen Diensten experimentieren, sich entscheiden, welche ethisch sauber formatierten Anbieter eben es gibt. Ich bin mittlerweile, wie gesagt, ein großer Freund von Claude, nicht erst seit der Aktion mit dem Pentagon. Vielen Dank lieber Nils Bäumer, dass du mich da auch noch mal darauf hingewiesen hattest. Das ging sogar so ein Stück weit letzte Woche noch an mir vorbei. So, also und deswegen: sauber formatierte Anbieter nutzen.
Wenn man OpenClaw macht, bitte immer auf einem separaten Rechner. Und mit Manus, mit Perplexity Computer beispielsweise hat man die Möglichkeit, das innerhalb des Browsers sogar mit eigenen Dingen zu machen. Also das ist deutlich ungefährlicher als mit eben Comet als Browser, wo ich auf dem System arbeite. Das ist vor allen Dingen deutlich ungefährlicher als OpenClaw, was ich im schlimmsten Fall auf dem eigenen Rechner mit allen Zugriffsrechten habe. Das will man definitiv nicht haben.
Fazit
Ja, diesmal heute eine etwas technischere Episode, aber ich finde es wichtig. Ich sehe eben, dass viele diese Automatisierungslösungen nutzen, die wahnsinnig produktiv sein können, weil, wie gesagt, 5.800 Dateien mal eben die ganzen Dateien auslesen und in eine Excel-Tabelle packen – super, super cool. Aber bitte so etwas dann in einem abgegrenzten Bereich machen, wo ich ganz klar sage: Die Daten nur in diesen abgegrenzten Bereichen sind, vor produktiven Themen immer sehr klar die wichtigen Guardrails setzen, so wie sie eben auch der Chef von Anthropic gegenüber dem Pentagon gesetzt hat.
Ich hoffe, das war mal nicht zu tief, aber vielleicht noch mal der ein oder andere Hintergrund, und immer mit dem Thema gesellschaftlich bis hin zu der eigenen Umsetzung: produktiv, aber sicher.
Ihr Personal Coach für Führungskräfte, Thorsten Jekel.
