Mit diesen Tipps vermeiden Sie die gängigsten Fehler bei der Einführung von KI

Einführung

Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von TJ’s Technology Tuesday. Heute einmal voraufgenommen gestern Abend im Hotel, denn ich bin gerade bei einem meiner Kunden unterwegs. Aber fast live. Und ich werde mir auf alle Fälle, wenn ich heute beim Kunden rauskomme, Ihre und eure Kommentare anschauen. Und wenn ich in der Zwischenzeit in der Pause mal reingucken kann, natürlich auch.

Ja, aber wie jeden Dienstag ein Impuls zum Thema TJ’s Technology Tuesday. Und letzte Woche haben wir uns hier angeschaut, einmal das Thema des Hype-Cycles, nämlich der Frage: Welche realistischen oder unrealistischen Erwartungen haben wir mit dem Thema KI?

Am Start ist immer so zu sagen: Uaah, neue Technologie, super. Dann kommt dieses Thema: Oh, geht alles gar nicht. Gerade bin ich beispielsweise in einer Volksbank, wo genau dieses Thema war, zu sagen: Ja, am Anfang KI, super. Dann kamen so die ersten Gehversuche, wo dann viele gesagt haben, das funktionierte alles nicht so. Und jetzt begleite ich die gerade dabei, zu gucken: Arbeitet man mit dem, was produktiv geht? Weil wenn schon selbst so Branchen wie das SHK-Handwerk, wie hier zu sehen, beispielsweise in diesem Bild, sagen: Wir arbeiten doch jetzt schon mit dem Thema KI, dann muss man doch langsam auch was tun.

Also selbst wenn Klaus und Ingo bereits mit KI arbeiten, dann müssen wir es in anderen Branchen ja auch so tun.

Ja, das führt dann oft zu Tooletries. Das heißt, hier einmal eine zwei Jahre alte Übersicht der wichtigsten KI-Tools. Schon damals war es nicht mehr möglich, dort wirklich einen Überblick zu behalten und heute ist das manchmal so ein bisschen wie in diesem Cartoon von Ruhe, zu sagen: Okay, jetzt haben wir uns aber wirklich verfahren. Ja, auch immer so die Frage: Was macht denn wirklich Sinn? Also wenn ich mir angucke, solche Blisterfiguren, die dann gemacht werden, da bin ich ganz bei Tina Teucher, die sagt: Leute, wenn man mal guckt, wie viel Wasser und Strom dafür verbraucht wird, das macht gar keinen Sinn. Was auch keinen Sinn macht, wenn man mich mit dem besten Werkzeug aufs Dach schickt, denn da ist kein Stecker dran. Ich sage ja immer in dem Bereich: Schick mich mit dem besten Werkzeug auf das Dach, dann darfst du nur noch beten, dass es nicht regnet. Das führt mich zu meinem Spruch, den einige von Ihnen und euch sicherlich schon kennen: A fool with a tool is still a fool. Zu Zeiten von künstlicher Intelligenz ergänze ich diesen Spruch nämlich noch immer zum Thema: A fool with artificial intelligence makes the disaster faster.

Weshalb ist das Thema künstliche Intelligenz so hoch relevant?

Und wenn man dann guckt, was ist immer die Erwartung zum Thema künstliche Intelligenz? So ein bisschen wie die Glaskugel, zu sagen: Ich habe die Zukunft und drumherum habe ich aber noch eben Gänsekehl und Papier, Bleistift und alles Drums und Drans. Das ist im Hintergrund noch das Lagerfeuer. Und wir denken immer: Ja, ich brauche nur eine KI und dann funktioniert alles. Das ist dann so ein bisschen wie hier in diesem KI-generierten Bild, Garbage in, Garbage out. Also hier da, wo ich eben keine vernünftigen Daten reinkippe Prozesse, da kann auch die beste KI nichts mehr retten. Guter Freund von mir beispielsweise hat vor kurzem das Haus Palantir im Hause gehabt und die haben sich die Daten angeguckt und haben gesagt: Leute, so in anderthalb Jahren können wir uns gerne wieder unterhalten, wenn ihr bis dahin eure Daten einigermaßen im Zug habt. Ja, weshalb ist dieses Thema künstliche Intelligenz und Automatisierung aber so hoch relevant und weshalb ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen? Dazu zitiere ich gerne hier eine Studie der Kollegen der AKAD Hochschule und von Bürokaizen, die gezeigt haben, dass, wenn man sich das anschaut, ungefähr 20% der Bürozeit mit Suchzeiten dort verplempert werden.

Zirka 30% mit E-Mails, zirka 26% mit Besprechungen. Also man kann sagen, ein Viertel sind Suchzeiten, ein Viertel sind E-Mails, ein Viertel Besprechungen, bleibt gerade noch mal ein Viertel über mit produktiver Arbeit. Und wenn ich mir mal anschaue, in der Produktion sind wir da natürlich schon viel weiter. Aber jetzt überlegen Sie mal, wie wäre es denn, wenn wir in der Produktion so arbeiten würden wie im Büro? Also wenn ich jetzt beispielsweise mit einem Kollegen dort ein Rad gerade anschrauben würde, jetzt macht es bing, jetzt renne ich zurück ins Büro, dann renne ich wieder zurück ans Band, schraube das nächste Rad fest, dann macht es wieder Bing, ich renne wieder weg, komme wieder zurück, schraube wieder weiter, spätestens beim dritten Mal würde der Kollege fragen: Sag mal, hast du ein Rad ab? – im wahrsten Sinne des Wortes. Also vielleicht mal die Überlegung: Was wäre denn, wenn wir mal Büroprozesse genauso vor dem Hintergrund Kaizen betrachten? Das ist ja die Idee von Büro-Kaizen, von Jörg Knoblauch, der die Firma seines Vaters, Drillbox, damals verkauft hatte und vor dem Verkauf aber immer wieder versucht hat, mit Methoden von Kaizen das Unternehmen profitabel zu machen. Er hat es dann verkauft, solange es noch und hat dann diese Prinzipien des Kaizens aufs Büro übertragen.

Zweiten Blick, den ich gerne mal mitgeben mag, ist: Haben Sie 2648 Briefe, wenn Sie abends in Ihren Briefkasten entleeren, wenn Sie nach Hause kommen? Da hatten wir ja meistens so einen Holz- oder Stahlbriefkasten in irgendeiner Form. Und wenn Sie da jetzt haben, 2648, Sie machen das auf, nehmen einen Brief raus, der schon so halb aufgerissen ist, einen der zu ist, dann stopfen Sie das Ganze wieder 2646 Briefe. Ich glaube, wenn Sie das machen würden, dann würde Ihr Nachbar fragen, was Sie für ein Gras geraucht haben und wo man das herbekommt. Der Vorteil eines Briefkastens in Papier ist, ist ein selbstbegrenzendes System. Den muss ich irgendwann mal ausleeren und so die Volumina eines normalen Briefkastens kriegt man immer noch gut gehandelt. Schwieriger wird das mit einem digitalen mit 18.000. Die muss ich dann irgendwann auch mal lehren, aber dann wird es deutlich schwieriger.

In welchen Situation macht Digitalisierung weniger Sinn?

Was ich auch oft erlebe, ist, dass eben solche Dinge, die jetzt digital gehen, digital gemacht werden. Also hier wunderbar. Meeting-Protokoll machen wir ab sofort mit OneNote. Wir sind jetzt digital. Da zitiere ich sehr, sehr gerne mal den ehemaligen Chef der Telekom, der gesagt hat: Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.

Weshalb zitiere ich ihn da bei diesem Prozess? Weil es war noch nie eine gute Idee, Gesprächsnotizen in einem einfachen Notizbuch festzuhalten. Es war schon immer eine bessere Idee, die Aufgaben in irgendeiner Form sich anzuschauen. Und mit dem Planner kann ich so was viel besser machen, als einfach zu sagen, auf einen Scheißprozess noch mal Automatisierung oder KI drauf zu packen. Wichtige Voraussetzung, wenn ich gerufen werde, wo es heißt: Mensch, können wir nicht mal unsere Prozesse mit KI automatisieren? Dann gibt es immer so die Frage nach: Können wir mal Zahnreinigung haben? Tut nicht weh, aber es gibt schöne frische Zähne. Ich bin eher der Zahnarzt, wo ich sage: Ich glaube, wir müssen mal gucken und da sind noch ein paar Löcher drin und die müssen wir bohren. Tut kurzfristig weh, aber hinterher hat man wieder ein strahlendes Gebiss und kann ordentlich zubeißen im Wettbewerb. Also wenn ich das mal so zusammenfasse: What sind denn so die größten Fehler, die man so hat im Bereich der Einführung von KI? Die größten Fehler sind vor allen Dingen unrealistische Erwartungen, sind Tool-Strategie und ist eben Shit-Daten und Shit-Prozesse. Das ist dann ein Stück weit so, wie wir das damals bei Nixdorf gemacht haben.

Also wenn ich schaue bei Nixdorf beispielsweise, ich habe 1988 dort ja angefangen und Nixdorf hat früher Gebäude gebaut und diese Gebäude waren immer Grünstreifen. Und da war die Frage: Wieso gibt es denn bei Nixdorf immer Grünstreifen drumherum? Ist doch ganz klar, damit man nicht hört, wenn Geld rausgeschmissen wird. Dann kam aber die Frage: Wieso ist denn in der Unternehmenszentrale kein Grünstreifen drumherum? Ist doch ganz klar, weil da schmeißen wir Scheine raus. Oder eben auch die Frage zu sagen: Was hat denn Windows und dein U-Boot miteinander gemeinsam? Das ist doch ganz klar. Sobald du das erste Fenster aufmachst, gehen die Probleme los. Jemand, der das anders gemacht hat, ist diese Firma in USA, und zwar Mercedes-Benz in USA, hatte, und Mercedes-Benz, ich sage mal, Autoverkauf in USA läuft ein bisschen anders als hier. Wenn man da am Samstag zum Dealer seiner Wahl geht, nicht den zum Rauchen, sondern den für die Autos, dann fährt der Kunde erfahrungsgemäß mit dem Auto seiner Wahl dann vom Hof. Also wenn da jemand sagt, neun Monate auf eine E-Klasse warten, dann sagen die: Was hast du denn geraucht?

Jetzt hatten die aber ein bauliches Problem. Was heißt bauliches Problem? Jemand saß im Auto und hat gesagt: Dieses Auto finde ich toll, will ich haben.

Dann hatten die aber, man sieht es ja auf dem Bild, hatten die noch so ein paar Ausgangstüren. Das heißt, bevor der eine oder andere dann im Büro angekommen ist und den Leasingvertrag zu unterschreiben, ist er noch mal rechts abgebogen. Was haben die gemacht? Die haben gesagt, in dem Moment wird der Kunde im Auto und sagt: Das Auto finde ich toll, machen die. Please sign here. Und Please sign here heißt eben auch hier und das ist bewusst ein altes Beispiel, wo ich sehe, das ist ein iPad der ersten Generation. Das ist ungefähr so sexy, als wenn man bei DPD ein Paket annimmt. Aber was eben wichtig war, war die Systematik. Das heißt, hier eine deutlich höhere Abschlussquote erreicht, weil eben in dem Moment, wenn der Kunde bereit ist zur Unterschrift, die Möglichkeit ist, dem Verkäufer möglichst einfach zu machen. Eine andere Firma, die sehr, sehr stark verkaufsgetrieben ist, der damalige CEO Ulrich Nehammer, den ich ein Stück weit bei seinem Digitalisierungsprojekt begleiten durfte. Wiki-Nummer eins, nicht nur weil er Dehne ist, sondern weil er sehr, sehr klar formatiert ist und der sagt: Okay, bei Coca-Cola gibt es zwei Jobs. Es gibt den Job, Coca-Cola zu verkaufen oder dabei zu helfen, Coca-Cola zu verkaufen.

Speed ist eines der wichtigsten Themen in der IT

Was der ganz klar gesagt hat, der hat ganz klar gesagt: Okay, eines der wichtigsten Dinge beim Thema IT ist Speed. Was heißt das? Also er hat sich vor die Mannschaft gestellt in einem Führungsmeeting und hat gesagt: Leute, wir brauchen heute vier Wochen, bis wir einen Kühlschrank rausbringen von dem Moment, wo der Kunde gesagt hat, ich möchte diesen Kühlschrank, bis zu Moment, wo wir in der Lage sind, den rauszustellen. Vier Wochen, wo wir keinen Umsatz machen, vier Wochen, wo der Kunde keinen Umsatz machen, vier Wochen, wo der Wettbewerb reingrätschen kann. Was müssen wir tun? Wie müssen wir unsere Prozesse ändern, damit wir das ändern von vier Wochen auf 24 Stunden? Dazu sagt er also, das Thema Speed, das geht natürlich nur, wenn wir das Thema Collaboration, also Zusammenarbeit zwischen Logistik, zwischen Vertrieb und so weiter, besser hinkriegen. Das geht nur, wenn wir Connectivity, die Systeme zusammenbringen und wenn wir das Ganze dann auch noch hochskalieren können, also im Sinne von strategischer IT. Und das ist genau das Thema. Vor kurzem war ich beispielsweise auf einem Kongress, wo der Marketingvorstand von MediaMarkt, der sagte ganz klar: Wir waren früher ein Kistenschieber und Technik hilft uns heute, von der Markenpositionierung zu kommen zu einer Strategie und zu einem Markenerlebnis, hilft uns von der Produktzentrierung zu einer Kundenzentrierung zu kommen, hilft uns vom Bauchgefühl gefühlt, zu Datenorientierung zu kommen und hilft uns, von Massenkommunikation zu Personalisierung zu kommen, bis hin zu dem Thema Hyperpersonalisierung.

Kleiner Side Fun Fact übrigens: Bei MediaMarkt ist das so, die haben eine eigene KI-Stimme entwickelt für Spots, die sie machen, Werbespots. Und da haben sie nicht irgendeine Stimme eingekauft, sondern was sie gemacht haben, sie haben eine App gemacht und da konnte jeder Mitarbeiter seine Stimme als Stimmprobe dort mit der wollte. Und aus diesen Mitarbeiter-Stimmen wurde dann eine KI-Stimme generiert. Nicht nur eine, sondern eine für jedes Land, in dem MediaMarkt aktiv ist. Und das fand ich wirklich toll, die Idee. Also wie committed ist denn jemand, wenn er sagt, die Stimme, die da ist? Da bin ich einer von vielen Tausenden Mitarbeitenden, die da mitgewirkt haben. Also auch wirklich so ein Thema, Mitarbeiter-Commitment mal auf eine ganz andere Art dort entsprechend mitzunehmen. Also finde ich wirklich klasse, dieses ganze Thema. Das heißt, alle diese Firmen, was machen die? Die machen es ebenso, dass sie sagen: Ich betrachte das Thema IT strategisch. Das heißt, ich sehe, welche finanziellen Ziele will ich erreichen? Und diese finanziellen Ziele zu erreichen, Welche Kunden muss ich denn wie begeistern? Und diese Kunden zu begeistern: Welche Prozesse muss ich denn im Griff haben? Und wie muss ich meine IT und meine Mitarbeitenden weiterentwickeln, das umzusetzen?

Fazit

Das Ganze macht auch andersherum Sinn. Allerdings jetzt sage ich immer, 90% sollten wirklich eben von oben nach unten gehen. Von dem eben Return on Equity, also Return des eingesetzten Kapitals, ist die wichtigste Kennzahl finanziell und dann geht es runter in Kunden. Welche Prozesse müssen wir dafür in den Griff kriegen und welche Systeme und welche Mitarbeiter müssen wir entwickeln? Jetzt gibt es immer beispielsweise mit KI neue Systeme, wo ich sage: Hol, KI? Welche Prozesse kann ich denn damit noch optimieren? Wie kann ich den Kunden damit begeistern und letztendlich damit auch mehr Geld verdienen? Das ist genau diese strategische Nutzung von künstlicher Intelligenz, die strategische Nutzung von Digitalisierung von IT, die Sinn macht. Denn last but not least, und den Spruch kennen Sie von mir, gilt immer das Motto Erst Hirn einschalten, dann Technik. Und dabei wünsche ich Ihnen als Personal-IT-Coach für Führungskräfte von Herzen viel Erfolg.

Ihr Thorsten Jekel.

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