Ist eine KI-Regulierung erforderlich?

Einführung

Ein herzliches Willkommen wieder bei TJs Technology Tuesday. Und heute mit einem etwas provokanten Starter nehme ich der Aussage: Die Amerikaner innovieren, die Chinesen produzieren und wir Deutschen und Europäer regulieren. Das höre ich ja immer wieder als Spruch auf Konferenzen vor oder nach meinen Auftritten auch wieder, manchmal auch als Anmoderation. Und auch ich nutze das manchmal. Heute schauen wir uns einmal ein bisschen an, was erstens stimmt davon? Was stimmt vielleicht nicht davon? Und wie geht man mit diesem Thema Regulierung denn sinnvollerweise um? Wie immer gucke ich immer so ein bisschen zwischendurch mal auf mein Handy, auch auf die Kommentare. Wir sind ja live. Also sollten Sie Fragen oder Kommentare haben, freue ich mich natürlich immer darüber im Chat. Ja, die Amerikaner produzieren nichts, sondern sie innovieren – ist immer das, was erst gesagt wird. Ja, das stimmt. Die Amerikaner haben zunächst mal, was daran stimmt, eine Kultur, dass sie sagen: „Wir legen erst mal los. Der Chris Burkert sagt immer so schön, die rennen erst mal durch die Tür, ohne sich vorher zu überlegen, was denn da entsprechend dahinter ist. Wir als Deutsche gucken erst mal fünfmal, was da gefährlich sein könnte, bevor wir durch eine Tür gehen.

Das machen die Amerikaner besser

Ja, absolut. Und was die Amerikaner natürlich besonders gut machen, wie ich finde, sie begreifen Scheitern nicht als was Negatives, sondern als einen wichtigen Lernschritt in ihrer Weiterentwicklung. Finde ich ein ganz wichtiges Thema-Mindset. China hat natürlich in vielen Bereichen einen massiven Lohnkostenvorteil und war in der Vergangenheit die internationale Werkbank und gerade zum Thema zu Zeiten von Robotik haben sie durchaus auch noch weiterhin einen großen Kostenvorteil. Aber wir kommen gleich darauf: Sie haben noch deutlich mehr. Und das Dritte natürlich ja, Europa und vor allen Dingen Deutschland. Wir haben eine Tradition, dass wir tendenziell erst mal vorsichtig sind, erst mal die Risiken sehen, bevor wir die Chancen sehen. Ja, wichtig für mich aber auch: Was stimmt nicht. Zum einen, ich weiß nicht, ob Sie die Rede von Donald Trump auf dem World-Wirtschaftsforum in Davos verfolgt haben. Am Schluss sagte er ganz klar: Come to America, und zwar nicht zum Innovieren, sondern zum Produzieren. Also Donald Trump hat eine klare Policy, dass er Amerika als Produktionsstandort auch klar positionieren und stärken möchte beziehungsweise über eine Zollpolitik dort andere schwächen möchte. Inwiefern das von Erfolg geprägt sein wird, werden wir sehen, aber zumindest ist es eine klare Policy.

Wenn wir uns in Richtung China angucken. Ja, made in China habe ich vor kurzem von meinem sehr geschätzten Kollegen Gerard von dem BONGAD gelernt, wird mehr und mehr zu „Made by China. Und da hängt eine ganze Menge dahinter. Also das ist ein riesen Unterschied. Es ist ein ganz anderer Ansatz zu sagen: Produziere ich Dinge, die andere entwickelt haben? Oder sage ich „Made by China? Und ich bin deshalb unter anderem so schick schon angezogen, weil ich gleich beim Neujahrsempfang des ZDKs bin, des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeugwesens hier in Berlin. Und da ist natürlich auch das Thema Elektrofahrzeuge aus China beispielsweise. Und wenn ich mir anschaue, früher hat sich ja Winterkorn über die Spaltmaße der Elektrofahrzeuge lächerlich gemacht. Mittlerweile zeigt BYD und Co., wo der Hammer hängt. Und das auch in anderen Bereichen. Also China wird sehr viel unterschätzt aus meiner Sicht. Da kommt auch sehr viel Innovation her. Und auf der anderen Seite aber auch wieder: Wir Deutsche sind immer besonders gut dabei, uns wahnsinnig entsprechend runterzureden. Und vielen Dank, lieber Gerd Danz, auch für den Kommentar, den ich hier sehe, war 2019 in China. Berauschend, wie dort junge Menschen mit großer Freude innovativ sind, Start-up-Hubs, architektonisch herausragend sind.

Interessant. „Meeting-Räume heißen „Menlo Park, Palo Alto. Sehr interessant, finde ich. Da gibt es eine versteckte Verehrung, dachte ich. Herzlichen Dank. Digital China und Gerre Dunz ja auch jemand, der das sogar in Buchform, in Vortragsform aufgegriffen hat, also von dem ich ja auch meinen Titel I Love AI habe. Also wunderbar und vielen herzlichen Dank. Auch gerne weitere Kommentare hier mit dabei. Wenn ich gucke, als ich das erste Mal in China war, schon ein paar Jahre her auch, dachte ich, da wären lauter Fahrräder. Was habe ich gesehen? Laut weiße Audi-Sovis und wenn ich gucke, Gerard von Bunker war gerade da, jetzt sehe ich nur noch chinesische Elektrofahrzeuge. Also da ändert sich eine ganze Menge in diesem Bereich und wichtig ist aber auch wieder in Deutschland: Wir reden uns manchmal schlecht. Also wenn ich jetzt mal gucke, es gibt eben beispielsweise weiß ich ja auch, mit Deeple, ein deutsches KI-Startup, mit Anthropic, ein europäisches in Frankreich beispielsweise. Auch wenn man sich diese Diskussion über die neuen KI-Modelle gerade anschaut, die aus China kommen, wo immer heißt, so nach dem Motto „Envida ist tot. Nein. Also das Interessante ist aber auch, es gibt dort aus China und auch aus Europa durchaus Innovation.

Ja, was ich immer gerne als Bild habe beim Thema Sicherheit ist dieses Thema. Genau und auch vielen Dank, lieber Uwe Steinweh, für die Ergänzung hier. Und immer, wenn ich nach unten gucke, dann schaue ich eben auf die Kommentare. Die seinerseitige Pauschale „Aussahre China als Schrott, gilt schon lange nicht mehr. Völlig richtig. China bietet mittlerweile sehr, sehr hochqualitative Produkte an, eben nicht made in China, sondern made by China. Und ich mag dieses Format hier mit diesem interaktiven auf dem Handy mit dabei, Second Stream. Also vielen herzlichen Dank für Innovation im Sinne von Gerre Danz und Netzwerken im Sinne von Uwe Steinweh. Was ich beim Thema Regulierung oft wahrnehme, ist dieses Bild der Leitplanken. Ich sage immer, die Amerikaner, die bauen die Autobahn zuerst, die vierspurige, und hauen dann hinterher die Leitplanken daneben. Wir Deutsche machen es andersherum: Wir hauen erst die Leitplanken auf die Straße und haben aber noch so einen holprigen Acker und dann kommt irgendwann in 20 Jahren dann entsprechend die Autobahn. Früher habe ich ja immer den Witz gemacht, dass ich gesagt habe: „Mensch, ich komme ja aus Berlin. Ich wollte eigentlich noch einen Witz über den Berliner Flughafen machen, aber ist leider nicht fertig geworden.

Mittlerweile ist er fertig geworden, aber wir sind ja besonders gut in dem Thema eben auch, Großprojekte nicht besonders zeitnah abzuliefern. Und wenn ich mal bei diesem Bild der Leitplanken bleibe, dann ist es so: Die Amerikaner hauen halt die Autobahn raus und hinterher die Leitplanken. Die Deutschen machen erst mal die Leitplanken und dann kommen 20 Jahre später die Autobahn und die Chinesen drucken beides parallel per 3D-Druck. Und während wir uns lustig machen über die Chinesen, fahren die rechts an uns vorbei. Und das ist leider so genau ein Thema, wo wir als Deutsche immer sehr, sehr gerne eher einfach so Team „Vorsicht etwas übertreiben. Also auch wenn ich mir dieses ganze Thema beispielsweise Leitplanken angucke. Wir hauen die oft so quer auf die Straße und links und rechts sind gar keine Leitplanken. Typisches Beispiel, ich weiß nicht, ob Sie es gelesen haben, am Wochenende stand es in der Zeitung, dass in Rheinland-Pfalz beispielsweise 45 Schulen von einem Cyberangriff lahmgelegt wurden. Und da sage ich jetzt mal, während wir in den Schulen als Datenschutzbeauftragte darüber lamentieren, dass Teams Teufelzeug ist und die Schüler bloß nicht mit diesem schlimmen Zeug aus USA arbeiten sollen, was sie vielleicht später im Berufsleben brauchen könnten.

Cyber-Security-Thema beachten

Vergessen wir das ganze Thema Cyber-Security. Also ich glaube, wir haben eine deutliche Überbetonung des Themas Datenschutz in Deutschland und ich bin überhaupt kein Gegner des Themas Datenschutzes, ganz im Gegenteil. Ich finde, Datenschutz ist eine Leitplanke, die total wichtig ist. Aber bitte kein Datenschutz und bitte nicht vergessen das Thema Datensicherheit, gerade Cyber-Security. Da sind die meisten Unternehmen leider grob fahrlässig unterwegs. Und die Leitplanken sind wichtig, genauso wie ich auch sage: Welche Autos haben die besten Bremsen? Natürlich die, die am schnellsten sind. Welche Autos haben die höchsten Sicherheitsmaßnahmen? Die, die am schnellsten sind. So ein Formel-1-Wagen hat einen automatischen Feuerlöscher drin und was weiß ich nicht alles drum herum dran. Also vor dem Hintergrund immer zu sagen: Genau. Und auch der Kommentar völlig richtig: Die EU „Liebe Regulierung, lieber Uwe Steinweh, schützt, aber darf nicht von der deutschen Umsetzung gestopft werden. Völlig richtig. Und vor dem Hintergrund ist immer wichtig, natürlich zu sagen, Regulierung ist auch sinnvoll und manchmal ist es auch wichtig, sich mal anzugucken, wo die herkommt. Also ich weiß nicht, ob Sie und ob ihr das Buch von Angela Merkel, Freiheit, gelesen habt. Ich finde es ein sehr lesenswertes Buch. Frau Dr. Merkel ist ein bisschen arg unkritisch, ich sage jetzt mal, was auch ihre eigenen manchmal auch durchaus normalen Fehlentscheidungen anbelangt.

Aber zwei Bereiche finde ich hochinteressant in diesem Buch, an die ich gar nicht gedacht hatte. Was ich erstens hochinteressant fand, war der Teil über die deutsche Einheit und über die Rolle der Treuhand beispielsweise. Die hat sie ja als Ministerin im Kabinett von Helmut Kohl damit aktiv miterlebt und natürlich auch damals, ich sage mal, aus der politischen Bewegung der DDR heraus, fand ich hochinteressant. Und das zweite, was ich hochinteressant fand, war dieses Thema Finanzkrise. Und mir persönlich war das gar nicht so klar, dass ein Großteil dieser aktuellen, auch etwas überzogen regulatorischen Dinge, natürlich aus dem Thema der Finanzkrise kam, wo Verluste einfach sozialisiert wurden, während die Gewinne privatisiert wurden. Und das kann es natürlich auch nicht sein. Was natürlich auch mal schwierig ist, ist, dass dieses Thema Regulatorik auch manchmal so wie ein Pendel ist, was eben etwas ausschlägt. Also das heißt, manchmal schlägt es dann auch ein bisschen zu extrem zur falschen Seite aus. Was aber wichtig ist, wenn ich jetzt mal gucke und das finde ich auch spannend, ich war letzte Woche bei unserer Expert Group Strategy im Rahmen des KI-Packs. Kann ich übrigens sehr empfehlen. Ist ein Verband, in dem ich Mitglied und aktiv bin in der AI-Strategy-Group.

Nur wenige Unternehmen haben eine KI-Richtlinie

Dort hatten wir beispielsweise den KI-Verantwortlichen von der Dr. Oetker-Gruppe da. Also fand ich hochinteressant, wo wir auch im Austausch … Der BVR war da beispielsweise, wo wir uns in der … Auch von der Sparkassenorganisation war auch jemand da. Das heißt, wir haben uns auch unternehmens- und branchenübergreifend darüber ausgetauscht, über diese verschiedenen Dinge und was da schon passiert und was da nicht passiert. Und was ich ganz interessant fand in einem Vortrag eines Juristen zum Thema eben AI Act, sagt er, dass in aktuellen Umfragen nur sechs Prozent der befragten Unternehmen eine KI-Richtlinie haben. Und da ist vielleicht dann die gezwungene Beschäftigung mit so einem Thema Regulatorik vielleicht mal gar keine schlechte Idee. Weil, wie mit jedem gefährlichen Werkzeug ist es wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man dieses Werkzeug denn vernünftig im Unternehmen einsetzt. Und vor dem Hintergrund ist es eine gute Idee, sich drei Punkte in dem Rahmen einfach mal zu vergewissern und sich anzuschauen. Das eine ist das ganze Thema Governance-System, dort wirklich einmal sauber zu überarbeiten, zu strukturieren. Ja, da haben Sie schon eins und das erweitern Sie das Thema KI. Zum zweiten ist es eine gute Idee, eine KI-Richtlinie zu formulieren, damit man klare Anweisungen hat und die Mitarbeitenden auch klare Leitplanken und Anweisungen haben, was sie wie tun müssen.

Das Thema KI-Kompetenz der Mitarbeitenden fördern

Und das dritte: Das Thema KI-Kompetenz der Mitarbeitenden zu fördern. Hier übrigens bin ich immer ein großer Freund der Liebe Niels Beumer, ist der immer der, der da auch zu Recht darauf hinweist, zu sagen: „Nein, es gibt keine Pflicht, dass Sie als Unternehmen KI-Trainings anbieten müssen. Nein, das ist Blödsinn. Es ist so, sie müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter KI-Kompetenzen haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie das tun müssen. Und unabhängig davon ist es so, dass das gerade erst in deutsches Recht umgesetzt wird. Die ersten Bestimmungen gelten ab Februar, dann haben wir welche, die im Herbst gelten und die dritte Stufe in 2026. Aber selbst wenn es nicht zwingend gesetzlich erforderlich ist und selbst wenn Sie formal losfühlen und sagen würden: „Ich muss dafür sorgen, dass ich KI-fitte Mitarbeiter habe, aber ich muss sie gar nicht ausbilden, macht das natürlich keinen Sinn, sondern es macht Sinn, die KI-Kompetenz Ihrer Mitarbeitenden zu fördern. Genauso wie ich ja als Personal-IT-Coach für Mitarbeiter sage, IT-Fitness ist genauso wichtig wie körperliche und geistige Fitness. Was sind beim Thema Mitarbeiterkompetenz die drei Bereiche, die im Fokus stehen sollten? Das ist zum einen das Thema Compliance, also Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien.

Fazit

Das ist zum zweiten Awareness, also Risikosensibilisierung und zum dritten Empowerment, also dass ihre Mitarbeitenden fundierte Entscheidungen treffen können. Mein Fazit: Ja, AI Act, EU Act, kann total nervig sein, aber es kann auch eine Chance sein, ihre IT wirklich wieder mal strategisch zu betrachten, neu auszurichten und die Mitarbeitenden noch fitter zu machen, damit IT kein Kosten- und Komplexitäts-, sondern ein Produktivitäts-Treiber ist. Ich schaue noch mal in die Kommentare rein. Sind keine mehr da. In diesem Sinne freue ich mich aber gerne auch im Nachhinein über Ihre Kommentare, auch über Themen, die Sie sich beim nächsten Mal wünschen und wünsche Ihnen von Herzen viel Erfolg.

Bis zum nächsten Mal, euer Thorsten Jekel.

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